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Radio Erzgebirge - Nachrichten

04.03.2018 17:00 (Sonstiges)
» Der Rainfarn «
(GN) ERZGEBIRGE: Noch hat der Winter das Land voll im Griff und die immer wieder auftretenden Schneeschauer zeigen sich von ihrer unangenehmen Seite. Verholzte und abgestorbene Pflanzenstängel aus dem zurückliegenden Jahr wiegen sich eisüberzogen im Wind der Schneeschauer.
Was im Sommer weithin gelb leuchtete und zahlreiche Insekten anlockte, ist nun im Winter unansehnlich trist und düster.
Aber auch diese Zeit wird vergehen und die Natur erweckt wieder zu neuem Leben. Dann beginnt erneut das Spiel vom Kommen, Blühen und Vergehen.
Noch wirkt das frisch austreibende Grün zart und verletzlich und der Weg hoch bis zur alten Wuchshöhe ist noch weit.
Während des Wachstums bilden sich schon die ersten zarten Blütenstände, die bereits erste Insekten anlocken.
Schon kurze Zeit später brechen die Blütenknospen auf und ein zartes, aber noch blasses gelb wird sichtbar.
Auch für uns ist nun wieder eine Zeit gekommen, wo wir ausgedehntere Spaziergänge durch unsere heimische Natur unternehmen und dabei auf eine krautige und etwa 60 bis 130 Zentimeter hohe Pflanze stoßen, die nun weithin mit ihrem gelblich leuchtenden Blütenstand auf sich aufmerksam macht.
Bei näherer Betrachtung der Blüten fallen viele einzelne Blütenkörbchen mit zahlreichen Einzelblüten auf. Das ist der Rainfarn mit seinem wissenschaftlichen Namen Tanacetum vulgare. Er gehört zur Ordnung der Asternartigen und zur Familie der Korbblütler.
Weithin verströmt der Rainfarn seinen mentholhaltigen Duft, der uns an Thujon, Bomeol und Campher erinnern lässt.
Dieser Geruch wirkt auf Insekten so betörend, dass sie nicht daran vorbei kommen, ohne wenigstens einmal davon zu naschen. Der Rote Weichkäfer wird vom Rainfarn sogar so magisch angezogen, dass größere Populationen auf ihm ruhen und hier ihre Brautwerbung mit anschließender Hochzeit begehen.
Auch zahlreiche Fliegenarten, Schmetterlinge, Käfer und Wildbienen sind nun zu Gast beim Rainfarn.
Unter den Insekten gibt es auch einige Spezialisten, die ihr leben voll und ganz auf den Rainfarn ausgerichtet haben. Hier seien der Rainfarn Blattkäfer und die Rainfarn Weichwanze zu nennen.
Der Rainfarn ist in der Wahl seines Standortes nicht anspruchsvoll, solange der Untergrund nicht zu trocken ist. Mäßig nährstoffreich, schwach basisch und humos ist für ihn alles bestens. Mit diesen Verhältnissen kommt die Pflanze gut zurecht. Dann gedeiht der Rainfarn auch am Wegesrand, auf Schutthalden, Dämmen und in Ufernähe von Bach und Teich.
Zu Beginn der neuen Vegetationszeit schiebt er sein zartes Grün vorbei an den alten Blütenstängeln des Vorjahres.
Betrachtet man sich die Wuchsform des Blattwerks am Stiel der Pflanze, fällt die Wechselständigkeit auf, mit der sich die länglich gefiederten Blätter anordnen und hin zum Sonnenlicht streben.
Am unteren Ende der Pflanze sind die Laubblätter noch gestielt. Die weiter oben gedeihenden sitzen hingegen dicht am Stiel der Pflanze.
Der Rainfarn ist eine Halbrosettenpflanze. Er mag den Standort im vollen Sonnenlicht und ist daher auch stets bemüht, sein Blattwerk hin zur Sonne auszurichten. Bei solch einem Verhalten spricht man von Kompasspflanzen.
Das Wurzelwerk dringt in Tiefen bis zu einem Meter vor und vermehrt sich dort vegetativ durch unterirdische Wurzel Ausläufer.
Wie viele Pflanzen, ist auch der Rainfarn noch nicht immer bei uns heimisch gewesen. Auch er wurde durch sein schönes Aussehen irgendwann als Zierpflanze aus dem eurasischen Raum nach Europa eingeschleppt und lebt heute als Neophyt neben der einheimischen Flora.
Verwendet wurde der Rainfarn früher auch als Duftpflanze. Seine Blätter beinhalten einen gewissen Duftstoff, der auf einige Insekten eine abweisende Wirkung zeigt. Diese Duftstoffe wurden auch bei der Vertreibung des Kartoffelkäfers erfolgreich angewendet.
In der Imkerei wird getrockneter Rainfarn als Rauchmittel verwendet. Er soll auf Bienen eine besonders besänftigende und betörende Wirkung haben.
Als Färberpflanze wurde der Rainfarn ebenfalls verwendet. Man nahm die Blütenknöpfe und mischte sie mit den unterschiedlichsten Beizen. Aus diesen Kombinationen entstand eine dunkelgelbe Farbe - bis hin zu zartem Grün.
Allergiker sollten den Rainfarn nicht berühren, er kann auf der Haut Kontaktallergien auslösen.
Der Hauptwirkstoff in der Pflanze ist Parthenolid. Das ist aber nur einer von vielen weiteren, wie Crispolid, Tanacetin und Reynosin. Diese Inhaltsstoffe können ebenfalls auf der Haut Reizungen hervorrufen.
In der früheren Medizin verwendete man den Rainfarn bei Wurmerkrankungen. Hatte man die Dosis aber zu hoch angesetzt, kam es zu Vergiftungserscheinungen. Neuere Studien zeigen, dass Extrakte aus der Pflanze in der Lage sind, Herpesviren zu hemmen. Verantwortlich dafür sind die pflanzlichen Inhaltsstoffe Axillarin und Isochlorogensäure.
Abschließend sei noch erwähnt: Nicht alle Pflanzen des Rainfarns sind auch immer gleich giftig. Es gibt zahlreiche Unterarten. Daher sollte auf Selbstversuche bei der inneren Anwendung verzichtet werden. Es sind auch Todesfälle bekannt geworden, die Gefahr wurde unterschätzt.
In einigen Kräuter-Lexika wird der Rainfarn als eine extrem gefährliche Heilpflanze angesehen. Daher gilt beim Spaziergang durch Wald und Flur: Nur schauen und staunen, aber nicht pflücken und probieren. Denn das könnte der Anfang vom Ende sein. (Bildquelle: KJ/Gerald Nötzel)